ZWISCHEN ASPHALT UND GRAVELROAD – NUSA PENIDA

Zwischen perfektem Asphalt und Gravelroad,

zwischen Massen- und Individualtourismus

Am nächsten Morgen ging es dann mit einem Taxi nach Padangbai, einem der größten Häfen Balis, um von dort nach Nusa Penida überzusetzen. Das Taxi konnten wir uns glücklicherweise mit einer weiteren Taucherin teilen, deren Baliurlaub nun zu Ende ging. Am Hafen angekommen vermachte sie uns noch ihre indonesische Simkarte, sodass wir nun auch mit mobilen Internet gesegnet waren. Anschließend verabschiedeten wir uns. Es sind immer nur flüchtige Bekanntschaften, aber man weiß schon nach den ersten drei Sekunden ob es passt oder nicht. Und in Amed passte es irgendwie mit allen.

Um nach Nusa Penida zu kommen gibt es im Prinzip zwei Möglichkeiten:

 

  1. Man nimmt das Speedboot für IDR 150.000 p.P. (€ 9,24)
  2. Man nimmt die öffentliche Fähre für IDR 31.000 p.P. (€ 1,90)

 

Wir haben uns natürlich für letzteres entschieden, auch wenn die Einheimischen mit sämtlichen Mitteln versuchen, einen auf die Speedboote zu bekommen. Es werden falsche Zeiten für die öffentliche Fähre genannt, eine falsche Fahrtdauer oder dass diese bereits für heute schon weg ist. Man darf sich halt einfach nicht beirren lassen. Einfach aufs Hafengelände, was tatsächlich wie ein kleiner Frachthafen aussieht, am Schalter ein Ticket kaufen und dann heißt es warten. So ganz genau sagen, wann die nächste Fähre tatsächlich kommt kann einem niemand. Wir hatten allerdings den Vorteil, dass unserer Fahrer von vor zwei Jahren (Genau der, der uns in Ubud versetzt hat) auch dort arbeitete und uns glücklicherweise laufend mit Informationen versorgte, wann die Fähre voraussichtlich ankommt. Und so fanden wir uns keine drei Stunden später auf Nusa Lembongan wieder.

Erste Eindrücke

Nachdem wir wieder mit einem Taxi zur Unterkunft gebracht wurden, organisierten wir schnellstmöglich einen Roller. Natürlich mit der Hoffnung, dass dieser entgegen dem Letzten deutlich geländegängiger ist. Schließlich wurden wir im Vorfeld von allen Seiten gewarnt, dass die Straßenverhältnisse, speziell auf Nusa Penida, nur sehr wenig mit den Grundeigenschaften einer Straße im Allgemeinen zusammenhängt. Unsere ersten Erfahrungen waren dem hingegen durchaus positiv. Die Straßen wirkten wie frisch gegossen. Schlaglöcher oder Feldwege sahen wir auf unserem ersten Weg zum Chrystal Bay Beach keine. Was auch gut war, da wir uns dort den Sonnenuntergang anschauten. Und Sonnenuntergang heißt auf Bali, dass es danach dunkel ist. Also finster. So richtig Nacht. Schwarz. Der Sonnenuntergang am Chrystal Bay ist auf jeden Fall die kurze Fahrt wert!

Zurück in der Wohnung saßen wir noch eine Weile auf der Veranda zum Karten spielen. Gegen neun oder halb zehn erschien Giacomo, ein Fotograf den wir auf der Fähre kennengelernt haben und der zufällig in der gleichen Unterkunft war. Er ist zum Broken Beach gefahren, um dort den Sonnenuntergang zu beobachten. Und für den Weg zum Broken Beach treffen alle furchteinflößenden Beschreibungen der schlechten Straßen auf Nusa Lembongan zu. Nachdem die Sonne vollends verschwunden war und er sich auf den Rückweg machen wollte, ist dem armen aufgefallen, dass das Licht an seinem Roller nicht funktionierte. Also musste er sein Handy in den Mund nehmen und mit der eingeschalteten Mini LED den kompletten Weg leuchten. Wir hatten selten mehr Mitleid mit jemanden gehabt. Vor allem, als wir selber den Weg am nächsten Tag gefahren sind…Das er das ohne Blessuren überstanden hat: Hut ab! Der Weg dorthin ist tatsächlich kein Weg. Es ist keine Straße. Es ist kein Feldweg. Es ist einfach eine Ebene im Gesteinsmassiv, in dem noch Asphaltreste aus vergangenen Tagen erhalten geblieben sind. Ich habe Wege in Rom gesehen, die bereits 2.000 Jahre alt sind und in einem tausendmal besseren Zustand waren als dieser Weg. Aber mit ein bisschen Gewichtverlagerung und ruhiger, besonnener und vor allem angepasster Fahrweise (angepasst bedeutet zu fahren, wie die Locals) kann man den Weg gut überstehen. Beim Broken Beach handelt es sich um ein Loch in den Klippen, das vom Wasser über die Jahre geschliffen wurde. Gleich neben dem Broken Beach ist das Angels Billabong, welches in den Reiseführern mit einem natürlichen infinity Pool verglichen wird. Und es passt einfach 100 %. Die Wellen brechen an der Kante zum Angels Billabong und nur das Bruchwasser schwappt in diesen hinein. Es ist ein beeindruckendes Naturschauspiel.

 

T-Rex

Aber Nusa Penida hat für uns noch mehr bereitgehalten. Neben einem Miniwasserfall (Temeling) mit seinen natürlichen Pools (natürlich getrennt für Männer und Frauen und einem Abstieg, für den Klettererfahrung nützlich ist) waren wir zuvor noch am Kelingking Beach. Die Felsformation ähnelt dem Kopf eines Tyrannosaurus Rex und ist dank Instagram alles andere als ein Geheimtipp. Glücklicherweise nehmen nur die wenigsten den Weg auf sich bis zum Strand hinab zu steigen. Der Weg ist anstrengend und nicht unbedingt kurz, sodass eine gewisse Grundsportlichkeit, welche wir absolut nicht mitbringen, eigentlich Voraussetzung ist. Das Schöne an Nusa Penida ist, dass alles irgendwie etwas mehr abenteuerlicher ist. Alles nicht zu 100 % auf den klassischen Touristen mit Sandalen und weißen Tennissocken ausgelegt ist. Noch hat die Insel ihren Charme behalten. Allerdings wird auch überall gebaut. Es entstehen Hotelblöcke, Homestays und Warungs an sämtlichen Stellen. Und nicht selten sind die bereits fertig gestellten auch schon wieder geschlossen. Wir hoffen, dass die Insel noch diesen Charme ein paar Jahre behält.

 

 

In einem Loch in der Erde…

Aber an diesen ersten 1,5 Tagen haben wir definitiv noch nicht die vollständige Insel gesehen. Daher geht’s am nächsten Morgen in die entgegengesetzte Richtung.

Wir haben von einem Tempel gelesen, der sich in einer gigantischen Höhle befindet und zu der man nur durch ein winziges Loch Eintritt findet. Irgendwie hat uns die Beschreibung dieser an den „Hobbit“ von J.R.R. Tolkin erinnert: „In einem Loch in der Erde, da lebte ein Hobbit“. Und wirklich: Über dem Eingang ist ein kleiner Tempel, in dem gerade als wir ankamen eine Hindu-Zeremonie stattfand, an der wir teilnehmen durften. Anschließend ging es dann gemeinsam mit der Gemeinde in die Höhle. Ein winziger Spalt, nur sichtbar, wenn man direkt davorsteht, führt in die Höhle. Und egal ob alt, ob jung, jeder zwängt sich durch den Spalt. Und egal wie groß die Gebrechen sind, steigt jeder hinab, um zum eigentlichen Tempel zu gelangen. Nach dem ersten kleinen Spalt schließt sich noch ein vielleicht 1m hoher Durchgang an und dann eröffnet sich eine riesige Höhle, mehrere hundert Meter lang. Tempel an mehreren Stellen. Zwischen den einzelnen Tempelstellen sind immer wieder mehrere Meter Weg durch die nur schwach beleuchtete Dunkelheit und Nils ist sich zu 100 % sicher, dass er eine Fledermaus gesehen hat. Es war einfach absolut Perfekt dort. Anschließend ging es wieder zurück in die Helligkeit.

Der fast perfekte Strand

Am anderen Ende der Insel liegt der Atuh-Beach. Ein fast perfekter Strand. „Fast“ deswegen, weil hier bereits der Tourismus Einzug gefunden hat und so prägen Sonnenschirme von Air-Asia und in Beton gegossene Stufen das Bild. Direkt neben dem Atuh Beach haben clevere Locals Baumhäuser errichtet, die auf keinem Instagram-Profil fehlen dürfen. Also haben wir die auch noch mitgenommen.

 

 

Einsam unter Palmen

Für den nächsten Tag hatten wir uns vorgenommen noch so ein, zwei Spots anzufahren, die wir bisher noch nicht gesehen haben beziehungsweise morgens direkt nach dem Aufstehen zum Schnorcheln an den Chrystal Bay. Anschließend fuhren wir weiter zum Temeling Forrest. Einem Urwald, der sich am Strand zum Meer hin öffnet. Der Weg dorthin mit dem Roller ist schon etwas abenteuerlich. Aber wir sind ja seit dem Broken Beach durchaus anderes gewohnt. Wenn man sich am Strand leicht rechts hält, gelangt man durch einen kleinen natürlichen Tunnel an einen weiteren Spot, an dem die Wellen heftig an den Felsen, auf denen man steht, zerschellen und die Gischt einem ins Gesicht schlägt. Wir waren beide von der Kulisse irgendwie gefesselt und saßen einfach nur still da und ließen das Naturschauspiel auf uns wirken.

 

 

Anschließend fuhren wir wieder in Richtung Broken Beach. Irgendwo dort sollten noch zwei Srände sein, von denen wir mindestens einen noch finden wollten. Auf unsere Navigationsapp (maps.me) wurde nur ein Trampelpfand angezeigt. Also fuhren wir diesen, nachdem uns auch kein Local einen Weg sagen konnte, einfach zwischen den Feldern entlang, bis zu einer Stelle, an der es mit dem Roller nicht mehr weiterging. Also ließen wir den Roller dort zurück und gingen zu Fuß weiter. Einen Bergpfad entlang, vorbei an festgebundenen Kühen, hörten wir nach einiger Zeit bereits die Brandung. Und irgendwann brachen wir dann durchs Dickicht und standen am perfekten Strand bzw. einer kleinen Bucht (Pandan Beach). Am Strand war lediglich ein weiteres Pärchen und ansonsten waren wir alleine. Janine meinte dazu nur „eigentlich wäre es jetzt richtig dumm von uns, nicht ins Wasser zu gehen“ und sie hatte natürlich absolut recht. Also gingen wir an einer steinfreien Stelle ins Wasser und planschten, spielten und tauchten durch die Wellen, bis uns die Kraft ausging. Anschließend saßen wir zum Trocknen noch eine Weile auf einem Stein im Sand und genossen den Ausblick.

 

 

Am Abend trafen wir uns dann mit dem amerikanisch-französischen Pärchen, welches wir in Amed kennengelernt haben, zum Sunsetwatching am Chrystal-Bay-Beach. Genauer genommen haben wir den Sonnenuntergang eigentlich mehr oder minder verpasst, weil wir zu spät waren. Shit happens. Aber kann man auch nicht ändern. Im Anschluss ging es noch zusammen Essen und Karten spielen. Für die beiden endet deren einjährige Reise nun. Führ uns geht es am nächsten Tag weiter zu den Nachbarinseln Nusa-Lembongan und Nusa-Ceningan.

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