George Town

Auf nach George Town

Der Weg nach George Town, den wir ganz entspannt und schon nahezu langweilig mit dem Bus zurücklegen, entführt uns in eine verzauberte Welt. Sobald wir die Tore der Stadt hinter uns gelassen haben, zieht sich die Straße durch ein alles durchdringendes Grün. Vorbei an nebelverhangene Berge und Hügel. Hinein in den Dschungel. Zumindest sieht es für uns so aus wie wir uns einen Dschungel vorstellen. Aber gleichzeitig führt uns der Weg auch vorbei an gigantischen Palmölplantagen. Was konkret bedeutet, dass wo nun Ölpalmen in Reih‘ und Glied stehen vorher ein Stück Dschungel bzw. Regenwald stand. Dieser wiederrum war Lebensraum für Millionen Lebewesen. Das schlimmste daran ist, dass das Wachstum der Ölplantagen zulasten von Regenwaldflächen nach wie vor zunimmt und immer mehr Lebewesen so ihre Heimat und Existenzgrundlage verlieren. Wir fragen uns in solch Momenten immer, warum Menschen den Lebensraum anderer Lebewesen nicht ebenso respektieren, wie den eigenen Lebensraum (z.B. das eigene Grundstück). Bloß nicht die Hecke zu dicht pflanzen, bloß nicht den Zaun zu hoch, aber den Lebensraum von bedrohten Arten zu roden ist kein Problem.

 

Schaut euch übrigens gerne unseren YouTube Blog an und seht, was wir in George Town erlebt haben.

Mit der Fähre übersetzen

Aber zurück zum Thema:

In Butterworth angekommen, geht es weiter mit einem Shuttle-Bus zum Fähranleger und vor dortaus rüber nach George Town. Die Fähre kostet günstige 1,50 RM. Also umgerechnet 30 ct. (Rückfahrt inklusive) Schnapper! Eine knappe viertel Stunde braucht die Fähre und weitere fünfzehn Minuten brauchen wir um vom Fähranleger in George Town zu unserer Unterkunft zu laufen. Die Temperatur ist ebenso wie die Luftfeuchtigkeit enorm hoch und die Rucksäcke fühlen sich verdammt schwer an.

Zuhause bei einer Künstlerin

Eigentlich suchen wir immer nach besonders günstigen und besonders gut gelegenen Unterkünften. In diesem Fall war die Unterkunft das Zuhause einer Künstlerin. Ein Steingarten im Altbauhaus, ein Flügel, ein Klavier, mehrere Kunstwerke. Ein beeindruckender Ort. Und halt eben günstig und zentral. Aus der Unterkunft raus befinden wir uns bereits in der Altstadt von Georgetown. An jeder Ecke findet man Streetart von bekannten und unbekannten Künstlern. Aber allesamt auf die jeweils eigene Art beeindruckend. Manche Installationen sind nahezu bis zur Unkenntlichkeit verblasst, andere sind noch nicht vollständig fertiggestellt. Einige werden von den Meisten gar nicht wahrgenommen und wieder andere sind als Fotomotiv so heiß begehrt, dass sich lange Schlangen vor den Installationen bilden, da jeder ein fancy Foto z.B. mit dem Jungen auf dem Motorrad haben möchte (Wir natürlich auch).

Wir sind einfach noch zu unsportlich

Hinter George Town erhebt sich eine kleine Hügellandschaft, von der man auf die Stadt blicken kann. Auf den Hügel kann man sich entweder für 160 RM mit einem Jeep hochfahren lassen, die Schienenbahn nehmen oder den 5 Km langen Aufstieg per Pedis zurücklegen. Unser eigentlicher Plan war es zu Fuß den Berg zu besteigen und wir standen auch schon am Anfang des Weges. In Anbetracht, der für uns norddeutschen Flachland-Indianer doch immensen Steigung entschieden wir uns allerdings kurzfristig um und nahmen die Schienenbahn. Auf dem Hügel hat man tatsächlich einen wunderbaren Ausblick auf George Town und die Straße von Malakka. Aber auch der dort beginnende Dschungel ist auf jeden Fall einen Abstecher wert. Und tatsächlich bekamen wir dort fast am Ende des ebenfalls 5 Km langen Trails die ersehnten Brillenlemuren das erste Mal zu Gesicht. Wunderbar niedliche schwarze Affen, mit weiß umrandeten Augen und Mündern. Leider sind eben jene Affen vom Aussterben bedroht. Diese Unterart existiert nur auf Penang und dort wird ihr Lebensraum immer weiter dezimiert.

Auf dem Rückweg schauten wir uns noch eine über der Stadt thronende chinesische Götterstatue an, bevor es dann endlich Abendbrot für unsere ausgehungerten Mägen gab.

Regenwald

Insidertipp

Unser letztes Abenteuer auf Penang führte uns in den Nationalpark der Insel. Dort befindet sich auf knapp 23 Km^2 ein kleines Stückchen intakter Regenwald. Im Prinzip gibt es dort zwei Attraktionen:

  • Den Turtle Beach mit einer Schildkröten-Aufzucht-Station und
  • dem Monkey Beach, einem Badestrand, an dem man auch auf Affen trifft.

Wir hatten uns von Anfang an vorgenommen, den Turtle Beach zu besuchen. Vor Ort erfuhren wir, dass der Weg zum Monkey Beach wegen Erdrutschen sowieso zurzeit gesperrt ist. Allerdings kann man sich dort mit dem Boot absetzen oder vom Turtle Beach abholen und dorthin bringen lassen, was wir dankend ablehnten.

Am Eingang des Parks kamen wir mit einem Italiener ins Gespräch, der uns den Tipp gab, dass wir, wenn wir sportlich und ausdauernd genug sind, auf jeden Fall nach dem Turtle Beach zum Tenuk Kampi weiter laufen sollen. Der Weg dorthin sei zwar deutlich anstrengender, aber lohnenswert. Bis auf einem Ranger der dort wohnt sei man dort mit großer Sicherheit alleine. „Eine abgelegene Bucht? Anstrengender Weg? Genau unser Ding!“ dachten wir uns und so ergänzten wir den Punkt auf unserer Planung.

Vielleicht sind drei Liter Wasser für zwei Personen zu wenig

Dass wir schon für den Weg zum Turtle Beach eigentlich nicht genug Wasser dabei hatten, wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Wer kann auch schon ahnen, dass drei Liter für zwei Personen bei über 30°C, hoher Luftfeuchtigkeit und anstrengendem Marsch durch den Regenwald nicht ausreichen. Aber schon als wir die erste Flasche leer hatten und der Turtle Beach noch nicht erreicht war, dämmerte es uns, dass wir haushalten müssen.

Der Regenwald ist gut zu Fuß zu durchqueren, die Wege sind breitgetreten und so erreichten wir nach knapp 70 Minuten den Turtle Beach. Leider mussten wir dort feststellen, dass die Station dort wegen der anstehenden Feiertage für Touristen geschlossen ist. Also genossen wir kurz den Ausblick und wanderten weiter zum Teluk Kampi. Der Weg ist deutlich abenteuerlicher und für unseren Geschmack auch deutlich schöner. Über umgestürzte Bäume, abgerutschte Wege und durch schmale Flüsse führte uns der definitiv anstrengendere Weg zu der Bucht. Vor uns lichtete sich das Dickicht und wir traten auf eine erste Lichtung. Dort ist zwar ein Zeltplatz installiert, allerdings wurde die Möglichkeit von niemanden dort wahrgenommen. Hinter dem Zeltplatz lag dann die malerische Bucht. Und tatsächlich waren wir dort, mit Ausnahme eines Rangers, alleine. Der Weg hat sich definitiv gelohnt. Allerdings hat der anstrengende Weg auch einen ordentlichen Tribut von unserem Trinkwasser gefordert. Ich hielt mich ganz Gentleman zurück und ließ Janine das Wasser. Zunehmend mussten wir uns beim Rückweg konzentrieren nicht abzurutschen oder umzuknicken. Aber gelohnt hat es sich alle Mahle. Und nach weiteren zwei Stunden Fußmarsch erreichten wir auch wieder den Eingang des Parks. Absolut ausgetrocknet und hungrig suchten wir erst einen Supermarkt um Getränke zu kaufen und anschließend ein Restaurant, um unsere knurrenden Mägen zu befüllen.

Das falsche Restaurant

Wir entschieden uns für ein gut besuchtes lokales Restaurant an einer der Hauptstraßen George Towns. Das Restaurant war gut besucht und so nahmen wir an, dass auch das Essen entsprechend gut sein müsse. Für mich gab es eine Art indischen Pfannkuchen und Janine bestellte sich Mie Goreng. Das Nudelgericht hat sich in den vergangenen 1,5 Monaten immer wieder als leckerer Sattmacher und stets solide Wahl herausgestellt. Schon beim Essen meinte Janine, dass dieses aber irgendwie komisch schmecke. Stehengelassen wurde es aber aus Respekt und Höflichkeit nicht. Keine Stunde später klagte Janine über Magenschmerzen. Wiederrum eine Stunde später lag sie als kleines leidendes Häufchen Elend auf dem Bett. Ich habe sie noch nie so fertig gesehen. Immer wieder wurde sie von heftigen Magenkrämpfen geschüttelt. Zeitweise musste sie vor Schmerzen brechen. Kurzerhand wurde also unser medizinischer Whats-App Joker in Form meines Bruders alias angehender Arzt konsultiert. Buskopan und Wasser ließen sie dann, nachdem das Schlimmste überstanden war, erstmal schlafen. Am nächsten Morgen wurde die Medikation dann durch eine weitere Buskopan und eine Schmerztablette ergänzt. Müssten wir nicht die Unterkunft wechseln hätte ich einen Tag Pause vorgeschlagen. So ging es mit Kohle-, Schmerz- und Buskopantabletten bewaffnet zum Fähranleger und von dort zum Busbahnhof, von wo wir dann weiter nach Ipoh reisen wollen.

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