Borneo: Orang Utans, Nasenaffen, eine fragwürdige Unterkunft und spontan nach Südafrika

Fragwürdige Unterkunft

Schritt für Schritt wird es unheimlicher

Von Kuala Lumpur ging es mit AirAsia nach Kuching, Borneo. Dort kamen wir gegen sechs Uhr abends an und nachdem wir das Gepäck vom Band nehmen konnten, war es auch schon dunkel. Bevor wir zur Unterkunft, welche in der Nähe des Flughafens lag, aufbrachen, entschieden wir uns noch schnell etwas zu essen. Die einfachste Option war für uns, wie so oft wenn wir Fliegen, eine Fastfoodkette. Kurz informierten wir unsere Gastgeberin, dass wir etwas später einchecken. “Kein Problem” sagte sie uns. Anschließend ging es mit einem Uber zur Unterkunft.

Im ersten Moment, als wir auf das Gelände fuhren, dachten wir noch “Mensch, sieht ja ganz nett aus”. Umso weiter wir auf das Gelände kamen, desto mulmiger wurde unser Gefühl. Zwielichtige Gestalten säumten den Weg und die Häuser sahen auch immer weniger einladend aus. Noch dachten wir uns, dass man ja auf keinen Fall nur vom äußeren Eindruck urteilen darf. Vor dem Haus wurden wir von der Haushälterin empfangen. Durch eine Gefängnistür ging es ins Haus. Auch das Treppenhaus erweckte jetzt nicht zwingend einen vielversprechenderen Eindruck. “Ganz bestimmt ist die Wohnung anders!” dachten wir noch. Durch die nächste Stahltür ging es in die Wohnung..

Übrigens findest du das alles hier auch bei Youtube.

Willkommen im Gruselkabinett

Ja. Da standen wir nun mit unserem Glück. Die Haushälterin hat schnell Tourismus-Steuer und Kaution kassiert (Mussten wir beides vorher noch NIE cash bezahlen bei AirBnB), ist abgedampft und ließ uns sprachlos auf dem Bett sitzend zurück. Die Wohnung strahlte eine sympathische Kombination aus Gefängnis, Charme der 80er und einem Fall für Tine Wittler aus. Küche und Badezimmer stark verschmutzt, auf dem Laken Blutflecken und die Matratze steinhart. Wir waren beide etwas überfordert mit dieser Situation. Schweigend saßen wir nebeneinander. Was tun? Hier bleiben und das Problem aussitzen? Schließlich bekämen wir, wenn wir jetzt stornieren nur einen Bruchteil der Buchung zurück.

Wir haben gelernt, dass man Probleme am besten einfach mal ansprechen sollte. Meistens ergibt sich ja eine Lösung. Also riefen wir die Vermieterin an und redeten mit Engelszungen auf sie ein. Es handele sich bestimmt nur um eine Verwechselung der Wohnung oder um einen Fehler in der Organisation und für uns wäre das alles gar kein Thema, wenn sie die Buchung von sich aus storniert. Wir würden uns dann etwas neues buchen. Leider stießen wir nicht auf das, was man “lösungsorientiert” nennt. Im Gegenteil. Uns wurde quasi der schwarze Peter zugeschoben. Was wir denn auch erwarten würden, wenn wir eine Wohnung über Airbnb buchen. Ansonsten sollten wir uns gefälligst von Anfang an für ein Hotel entscheiden und auf eine Rückerstattung der Kosten bräuchten wir auf gar keinen Fall hoffen…

Zumindest haben wir es versucht. Trotzdem wollten wir hier nicht bleiben. Wir baten darum, dass sie ihre Haushälterin nochmal herschicken soll, da wir die Buchung stornieren und entsprechend auch Steuern und Kaution gerne zurück hätten. Damit war sie zumindest einverstanden. Immerhin… Auf dem Weg nach draußen suchten wir schnell ein Hotel mit sehr guten Bewertungen und in zentraler Lage. Wir wollten nur noch in ein sauberes Bett und wir hätten glaube ich, fast jeden Preis in dem Moment bezahlt. Schnell noch ein Uber bestellt und schonmal zur Straße gelaufen. Dort warteten wir mit unseren beiden Backpacks und den beiden Daypacks.

Nach ein paar Minuten bog der Uberfahrer ums Eck. Ein junger Kerl. Vielleicht unser Alter. Er begrüßte uns mit den Worten: “Mensch was macht ihr denn hier?!? Normalerweise sind hier nur Prostituierte und Zuhälter und die Zimmer werden eher pro Stunde vermietet.”. Okay, das ist krass und wir werden diese Erfahrung definitiv nicht so schnell vergessen. Aber Glück und Pech gleichen sich ja bekanntlich auch immer aus ;-). Die neue Unterkunft war zu unserem Glück auch um Welten besser und wir waren einfach nur froh in ein sauberes Bett, in einem sauberen Zimmer, mit einem sauberen Bad fallen zu können.

Orang Utans

Noch während der Taxifahrt zu unserer neuen Unterkunft zog uns unserer Fahrer schon einmal einen Zahn: “Zurzeit ist Fruchtsaison, die Orang Utans können sich sehr gut alleine ernähren, vermutlich seht ihr gar keinen.” Das wäre der Supergau. Schließlich sind wir doch extra nach Borneo geflogen. Aber “Wer nichts wagt, der nichts gewinnt”. Guten Mutes fuhren wir also am nächsten Morgen zum Semenggoh Nature Reserve. Dort wird seit den 70ern ein Bestand an Orang Utans geschützt.

Zu Beginn bestand die Population dort aus 11 Individuen. Mittlerweile ist diese Anzahl auf insgesamt 30 Tiere angewachsen. Die Orang Utans können dort relativ unbehelligt leben. Um den Fortbestand der Population zu sichern, werden zweimal täglich Früchte ausgelegt, an denen sich die Orang Utans bedienen können. Zwischen 9 bis 10 und 15 bis 16 Uhr können Touristen dabei versuchen einen Blick auf diese beindruckenden Lebewesen zu werfen.

Als wir im Reservat ankamen teilte uns der Kassierer direkt mit, dass wenn wir uns beeilen ein Individuum in der Nähe des Zentrums sehen könnten. Das Zentrum ist zu Fuß knappe 15 Minuten vom Eingang entfernt. Also beeilten wir uns. Unterwegs hielt ein Pick-Up neben uns. Ob wir nicht mitfahren wollen, dann seien wir schließlich schneller da? Das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Rauf auf die Laderampe und los gehts. Kurze Zeit später waren wir auch schon im Zentrum des Reservats.

Direkt hinterm Parkplatz saß ein kräftiges Männchen mitten auf der Straße und brach sich ganz entspannt eine Kokosnuss in zwei Hälften und aß diese. Es war einfach so super faszinierend. Man kann in den Gesichtern der Orang Utans nicht nur Augen, Mund und Nase, sondern vielmehr auch Gestik und Mimik – ähnlich wie bei Menschen – so deutlich erkennen. Wir hätten stundenlang hier so stehen können. Leider hatte der Orang Utan da nicht so viel Lust drauf und verzog sich ins Dickicht.

Also ging es nach knapp fünfzehn Minuten tiefer in den Wald. Wir erhielten Informationen zur Größe des Waldes und zur Population und dem natürlichen Verhalten der Orang Utans. Bei der eigentlichen Fütterung sahen wir leider keine Orang Utans, allerdings kreuzte das Männchen, welches wir auf dem Hinweg schon gesehen hatten, noch einmal unseren Weg.

Insgesamt wahnsinnig beeindruckender Tag und definitiv Entschädigung für die Erlebnisse des Vortages.

Vorbei an Krokodilen zu den Nasenaffen

Nachdem uns der Besuch bei den Orang Utans echt aus den Socken gehauen hat, sollte es am nächsten Tag direkt weiter gehen. Nächstes Ziel: Nasenaffen. Diese putzigen Gesellen wohnen u.a. im Baku Nationalpark unweit von Kuching entfernt. Um in den Nationalpark zu gelangen geht es erstmal mit dem Bus von Kuching bis zum Bootsanleger an der Küste, da der Nationalpark nur von der Meerseite zugänglich ist. Von dort werden wir in kleinen Motorbooten, in denen bis zu sechs Personen Platz finden, in den Nationalpark gebracht.

So zumindest die Idee. Mitten aufm Wasser ging dann plötzlich der Motor aus und unser Bootsführer fing erstmal an, den Außenborder auseinander zu bauen. Alle Motorteile wurden kurz begutachtet mit etwas Öl beschmiert und keine zehn Minuten später ging es dann auch schon weiter Richtung Nationalpark. Die Ankunft dort hätte dann nicht besser sein können. Es ging vorbei an riesigen schwarzen Klippen, die steil auf das offene Meer hinaus ragten bis zu einem riesigen Sandstrand. Da gerade Ebbe war, hieß es Schuhe aus und in das wenige Zentimeter tiefe Wasser springen. Ein bisschen wie im Piratenfilm, fehlte nur noch die Schatzkarte und der Spaten.

Am Strand angekommen sahen wir auch schon die ersten Nasenaffen. Mit ihren riesigen Nasen und die runden Bäuchen sehen diese schon echt niedlich aus. Ein Individuum, dass wir beim gemächlichen Blätterfuttern beobachteten viel mitten beim Essen in seinen sicherlich verdienten Mittagsschlaf. Absolut putzig. Danach ging es kurz zur Registrierung und dann weiter auf einen kurzen Wandertrail. Da wir im Nationalpark keine Unterkunft gebucht hatten, entschieden wir uns für zwei kürzere Wandertrails. Einen zu einer Bucht, in der sich häufig weitere Nasenaffen aufhalten, den Zweiten rauf auf eine Klippe, mit Blick über die Bucht in der wir angekommen sind.

Tatsächlich sahen wir unterwegs Nasenaffen über unseren Köpfen. Man musste nur aufmerksam die Umgebung beobachten: “Wo kommen Laute her?” und “wo bewegen sich die Baumkronen?”. In der Bucht angekommen, setzten wir uns auf einen Baumstamm und genossen einfach den Moment: Den Blick auf das Wasser, die Felsen, die Bäume ringsherum. Anschließend ging es in entgegen gesetzter Richtung auf die besagte Klippe.

Gegen vier Uhr nahmen wir das Boot zurück. Noch als wir auf das Boot warteten, sahen wir schon eine dunkle, grollende Wolke auf uns zukommen. In der Hoffnung, dass wir nur ein paar Tropfen abbekämen ging es dann los. Ein paar Tropfen waren es zwar. Allerdings reichten diese aus, dass unsere T-Shirts trotzdem klitsch Nass waren. Den Buss am Fähranleger haben wir knapp verpasst. Aber als wir die Touristen sahen, die das Boot eine Stunde später genommen hatten, waren wir nicht traurig, dass wir im Trockenen warten konnten. Der Regen war nun richtig am Strömen und entsprechend durchnässt waren die anderen Touristen nun. Als der Bus endlich kam, zogen sich einige teilweise im Bus aus und wrangen ihre Kleidung aus. Wir waren froh, dass unsere T-Shirts mittlerweile schon wieder trocken waren.

Spontan nach Südafrika

Abends saßen wir dann im Hotelzimmer und überlegten, wie die nächsten Tage für uns wohl aussähen und wo wir auf Borneo noch hinwollten. Ergebnis: Ratlosigkeit.

Schweigend saßen wir auf dem Bett. Und irgendwie kam uns dann der Gedanke: Warum fliegen wir eigentlich nicht weiter? Schnell war unser nächstes Ziel ausgemacht: Südafrika. Also wurde kurzfristig ein Flug für den übernächsten Tag herausgesucht und eine Unterkunft in Kapstadt gebucht. Den nächsten Tag nutzen wir dann, um uns über Südafrika zu informieren. Es kann manchmal so einfach sein.

 

Du willst die Orang Utans mal in Bild und Farbe sehen? Dann klick dich doch mal in unseren Youtube Kanal hinein.

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