Taman Negara

Taman Negara

Hinein in den Dschungel

Die Cameron Highlands verließen wir, wie wir gekommen sind, nur eben noch weiter ins Landesinnere. Unser Ziel war der Taman Negara. Seit über 130 Millionen Jahren wächst diese satt grüne Insel im Herzen Malaysias. Er ist das älteste Waldgebiet der Welt und in seiner rohen Schönheit einfach beeindruckend. Man kann zwar auch komplett mit einem Local-Bus zu unserem Reiseziel Kuala Tahan gelangen, welches übrigens die einzige Nennenswerte Siedlung im Taman Negara ist, aber die andere Alternative drei Stunden den Fluss aufwärts durch den Dschungel zu fahren war für uns doch einfach zu reizvoll. In einem schmalen Boot ging es durch das nur wenige Zentimeter tiefe Wasser. Unser Bootsmann steuerte uns hierbei, mit leichten Abzügen in der B-Note (wegen der Kollision mit einem Felsen), bis ins Dorf.

 

Übrigens findest du hier das Video zum Blogeintrag.

Zuckerfest

Dort ging es für ein paar hundert Meter bis an den Rand des kleinen Dschungeldorfes, wo wir unser Unterkunft fanden. Leicht verwundert über den gerade im Aufbau befindlichen Gartenpavillon und den riesigen Grill bezogen wir unser Zimmer. Anschließend wurden wir von dem Host nochmal kurz begrüßt. Er erläuterte die möglichen Touren die wir buchen und Trails die wir laufen können. Aber was viel wichtiger ist, dass er uns einlud dem Zuckerfest bei ihm heute Abend beizuwohnen. Wir waren leicht verwundert. Das Zuckerfest liegt eigentlich schon ein paar Tage zurück, aber er erklärte uns, dass jeder in dem Dorf das Fest mit allen bei sich jeweils zuhause feiern möchte. Und so ergibt es sich, dass reihum jeder einlädt und wir als seine Gäste natürlich auch bei ihm eingeladen sind. Und der Name Zuckerfest ist nicht untertrieben. Zwar gibt es auch ganz normales Grillbuffet (Hähnchen) und sämtlich Variationen an Kartoffeln aber auch unglaublich viel Süßskrams. Über Schokokekse, Bonbons, weiteres Gebäck und süßen Früchten war wirklich alles vertreten; und wir aßen wirklich bis wir nicht mehr konnten und unser Bäuche zu platzen drohten. Es war einfach alles zu lecker!

Geführte Tour selbst geführt

Für den nächsten Morgen hatten wir uns eigentlich für eine geführte 10 Km Tour durch den Dschungel angemeldet. Als wir um 9.00 Uhr am vereinbarten Treffpunkt waren, wurde uns allerdings mitgeteilt, dass wir schlicht im Trubel der Festlichkeiten vergessen wurden. Halb so wild. Spontan planten wir gemeinsam mit unserem Host um. Er organisierte uns ein Boot, dass uns den Fluss hinauf zu einer Stromschnelle ca. 8 Km vom Dorf entfernt brachte und unser Abenteuer begann. Mit einem kleinen motorisierten Einbaum ging es den Fluss hinauf. Das leuchtende Grün des Dschungels war so beeindruckend und wurde nur zwischendurch, wenn die Bäume zu hoch und zu dicht waren, von einer undurchdringlichen Dunkelheit geschluckt. Während das Flusswasser im Dorf, wo zwei Flüsse sich vermengen, trüb und undurchsichtig ist, ist hier das Wasser glasklar. Jeder Stein, jeder Krebs und jeder Fisch ist sichtbar.

 

Wir dachten Blutegel gibt es nur am Wasser

An den Stromschnellen angekommen setzte uns der Bootsmann am Ufer ab. Er gab uns noch mit auf den Weg, wir sollen auf die Blutegel achten…”Take care for the leeches”…”jaja”, dachten wir. Blutegel gibt es doch eh nur am Flussufer und in sofern ging die Warnung bei uns links rein und rechts raus. Und die ersten zehn Minuten schlugen wir uns durch das Dickicht des Dschungels über einen kaum erkennbaren Weg. Wir sind uns auch bis heute nicht sicher, ob es wirklich ein Weg war den wir gegangen sind. Aber solange wir darauf achten, dass wir das Rauschen des Flusses von unserer rechten Seite her hören, sei alles gut, hatte uns unser Host mit auf den Weg gegeben. Wir kreuzten kleine Bäche und Flussläufe.

Plötzlich wurde die Stille im Dschungel von einem lauten Kreischen durchbrochen. Janine lief ein paar Meter hinter mir. Entsetzen stand in ihrem Gesicht und ein bisschen hatte sie Ähnlichkeit mit Rumpelstilzchen, das über zu heiße Kohlen hüpft. Mehrere Blutegel hatten ihre Wanderschuhe und -socken befallen. Hartnäckig versuchten diese durch das Leder der Schuhe bzw. durch die Merinowolle der Socken zu gelangen. Mühsam ließen sich die kleinen Plagegeister aus den Socken ziehen. Von den Schuhen ging es etwas leichter ab. Ungefähr 25 Würmer waren an beiden Schuhen verteilt. Und meine sahen auch nicht besser aus. Also hieß es von nun an: Alle paar Meter die Schuhe auf ungebetene Mitfahrer kontrollieren.

 

Der vermeintlich rettende Steg

An entspanntes Wandern war nicht mehr zu decken. Janine wollte nur noch raus aus diesem mit Blutegeln verseuchten Sperrgebiet. Nach 2 Km erreichten wir einen Bootsanleger, an dem auch regelmäßig Boot vorbei fuhren. “Unsere Rettung”, dachten wir… Verzweifelt winkten wir den Booten zu.

Die Leute in den Booten winkten freundlich zurück. Wir fühlten uns tatsächlich etwas veräppelt. Nach Minuten des Schweigens entschieden wir uns die restlichen sechs Kilometer des Weges auch noch zu laufen. Schließlich seien sechs Kilometer ja an der Grenze zu Pillepalle. Entsprechend zogen wir in die Schlacht gegen den fast unsichtbaren Feind. Unsere Schuhe sprühten wir mit Insektenschutz ein, in der Hoffnung dies helfe etwas. Alle paar Minuten kontrollierten wir uns auf mögliche Kriegsverletzungen durch Blutegel. Immer wieder entfernten wir kleinere und größere Exemplare. Nach Kilometer sechs hatten wir das Gefühl uns dem Ziel zu nähern. Wir trafen das erste mal, seitdem uns der Bootsmann ausgesetzt hatte, auf andere Wanderer. Es schien als sickere Blut durch den Bauchnabel des anderen Wanderes. Mehrere Blutegel hatten ihn unbemerkt angesprungen und ihn in Höhe des Bauchnabels angezapft, wobei er sich nicht sicher war, ob seine Frau nicht doch heimlich eine Fettabsaugung unbemerkt an ihm durchgeführt habe…

Nach gefühlt deutlich mehr als acht Kilometern im Taman Negara erreichten wir das rettende Flussufer, an dessen anderen Seite das Dorf lag.

In der Unterkunft wurden wir von anderen Deutschen mit den Worten begrüßt: “Und? Wie viele?”. Bei ihnen hatten sich die lästigen Viecher tatsächlich unbemerkt einen Weg in die Schuhe verschafft und an mehreren Stellen zugeschlagen. Entsprechend ängstlich waren wir beim Ausziehen der Schuhe und Socken. Aber glücklicherweise und sicherlich auch wegen unserer überlegenen strategischen Kriegsführung hatten wir es geschafft unser Abenteuer ohne ernsthaftere Verletzungen zu überstehen.

 

Genug Dschungel für heute

Nach unserem Dschungelabenteuer im Taman Negara hatten wir beide erst einmal genug Blutegel gesehen. Also ging es am nächsten Tag mit dem Local-Bus wieder in Richtung Kuala Lumpur.

 

Alles was du gerade gelesen hast, findest du natürlich auch noch einmal bei Youtube.

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