Zwischenstop in Ipoh

Ipoh

Zugegeben: Ipoh war eigentlich nur als Zwischenstopp auf dem Weg in die Cameron Highlands gedacht. Umso schöner, dass wir hier eine Stadt entdeckten, in der es, ähnlich wie in George Town, schöne alte Gebäude aus der Kolonialzeit und tolle Streetart gab.

Mit dem Reisebus ging es ganz entspannt von Butterworth nach Ipoh. Knappe 2,5 Stunden vorbei an grünen Wänden. Wobei das, was eigentlich Regenwald sein sollte nunmehr Palmölplantagen weichen musste. Uns beschleicht der Eindruck, dass sich dieses Bild durch das ganze Land hindurchzieht. In Ipoh kommen wir am Busbahnhof an, welcher etwas außerhalb liegt. Flott ein Grab-Taxi bestellt und auf zur Unterkunft am anderen Ende der Stadt. Es sind malaysische Feiertage und so sind fast alle bezahlbaren AirBnB Unterkünfte und Hotels ausgebucht. Für uns erweist sich das als purer Glücksfall. Zwar finden wir die Unterkunft nicht auf anhieb, aber nach kurzer telefonischer Abstimmung mit unserer Gastgeberin klappt es dann doch. Und gerade diese Gastgeberin ist es, die für uns der große Glücksfall in Ipoh ist!

 

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Tag 1

Auch Su, unsere Gastgeberin, ist im Genuss der Feiertage und bietet uns daher direkt an uns morgens zum Frühstück einzuladen. Da sie chinesischer Herkunft ist (Die Bevölkerung Malaysias setzt sich vor allem aus Chinesen, Indern und Malaien zusammen) geht es für uns natürlich pflichtbewusst in ein chinesisches Restaurant. Für uns ist es auch nach einem Monat Indonesien immer noch ungewohnt bereits morgens Reis und andere warme Speisen zu essen. Aber man soll ja alles ausprobieren ;-).

Anschließend müssen wir uns noch darum kümmern, dass wir unsere Wäsche mal in die Reinigung bekommen. Auch da ist unsere Gastgeberin wie selbstverständlich helfend für uns da. Nachdem nun also die Grundversorgung stand und die Wäsche abgegeben war konnten wir mit dem entdecken der Stadt beginnen. Für uns ging es zuerst in eine Tempel-Höhle. Hierzu muss man wissen, dass Ipoh von schroffen Felswänden umgeben ist. In diesen befinden sich natürliche Höhlenformationen, worin wiederum jeweils Tempelanlagen und Schreine eingebaut wurden. In diesem Fall ging es in den Perak Cave Tempel, am anderen Ende der Stadt. Wie selbstverständlich wurden wir auch hier wieder von unserer Gastgeberin gefahren.

Natürlich darf in Ipoh auch die Streetart nicht fehlen. Mittlerweile bin ich mir nicht sicher, ob wir einfach vorher an solcher blind vorbei gelaufen sind, oder Streetart bei uns in Deutschland einzig durch (meiner Meinung nach) unschöne Graffitis Ausdruck findet. Die Altstadt lässt ihren ganzen Charme auf uns wirken. Durch schmale Gassen in denen reges Treiben herrscht, vorbei an komplett vergrünten Wänden oder an teilweise verfallenen Gebäuden geht es immer tiefer in den malaysischen Stadtdschungel. An manchen Plätzen werden handgefertigte Waren aus der Region angeboten. An manchen Ecken gibt es nur indisches, an anderen wiederum nur chinesisches Essen. Westliches sucht man hier vergeblich. Abends geht es dann wieder völlig platt zurück zur Unterkunft.

Tag 2

Malaysia und die Umwelt

Natürlich bestand unsere Gastgeberin auch am nächsten Morgen wieder darauf uns abzuholen. Unbedingt wollte sie uns den besten Kaffee der Stadt zeigen, was wir als leidenschaftliche Kaffeejunkies natürlich auf garkeine Fall abschlagen wollten. Wieder ging es quer durch die Stadt zu ihrem Lieblingscafe. Besonders empfohlen hat sie uns einen Eiskaffee. Dieser wird lokalüblich in einem Gefrierbeutel serviert, welcher durch Geschenkband als Schlaufe zusammengehalten wird. Tatsächlich konnte sich der Eiskaffee sehen lassen. Als wir diesen ausgetrunken hatten öffnete sie das Fenster auf meiner Seite (wir genossen den Eiskaffee während der Autofahrt) und sagte nur schlicht “throw it away”.

Der Ernst der Lage war uns in dem Moment aber nicht bewusst und ehe wir uns versahen, nahm ihre Haushälterin, welche vorne auf dem Beifahrersitz saß, den Gefrierbeutel, öffnete ihr Fenster und warf den Beutel in den Graben. Wir schauten uns nur ungläubig an. Wir beide wussten absolut nicht, wie wir darauf reagieren sollten. Wir konnten Sie jetzt ja nicht über ihren Akt der Umweltverschmutzung belehren. Zum Glück bemerkte sie unsere Blicke und fügte nur hinzu “OH, we know that this is not good for our enviroment, but that’s Malaysia”. Wir waren geschockt. Wie kann man bitte mit einer solch wunderbaren Umwelt so umgehen? Aber diese Einstellung zur Umwelt kann man in ganz Malaysia beobachten. Egal ob es die Rodung des Regenwaldes ist oder es um das Entsorgen von Müll geht… That’s Malaysia…Eine traurige Wahrheit, die uns zu Denken gibt!

Die grüne Oase der Stadt

Nach diesem Schock ging es zur Erholung in den Gunung Lang Park, der grünen Oase der Stadt. Mitten im Stadtkern liegt der Park umzingelt von Hügeln, sodass dieser nur durch eine Öffnung zugänglich ist. Zudem muss man, um in den Park zu gelangen noch einen See mit einem Motorboot überqueren. Während wir noch in der Schlange standen stellte sich unsere Gastgeberin bereits in die Schlange für das Boot an, um uns einen Platz in der ersten Reihe zu sichern. Sie selbst wollte nicht mit in den Park. Wiedermals sind wir von dieser Freundlichkeit mehr als begeistert.

Wie man eine indische Hochzeit crasht 

Der nächste Halt sollte ein indischer Tempel sein. Und eigentlich wollten wir uns auch nur den Tempel anschauen. Schon von außen sahen wir, dass gerade eine Hochzeit dort stattfand. Der umfassend geschmückte Brautwagen und die festlich verzierten Ziegen sprachen Bände. Hinter dem eigentlichen Tempel befand sich ein Festsaal, in dem sich auch die Hochzeitsgesellschaft befand. Und ehe wir uns versahen, standen wir auch schon in eben diesem. Wir wurden freundlich empfangen, uns wurden Essen und Getränke angeboten, das Brautpaar gezeigt und wenn wir uns nicht wieder zurück gezogen hätten, weil wir die Hochzeit nicht crashen wollten, hätten wir bestimmt einen äußerst witzigen Abend dort haben können.

Ausgesetzt an einem Tempel

Der nächste Tempel ist eigentlich keine große Erwähnung wert. Was aber vielmehr erwähnenswert ist, ist dass wir ausstiegen, um uns eben diesen Tempel anzuschauen und auf einmal war unsere Gastgeberin verschwunden. Erstmal dachten wir uns nichts dabei. Als aber nach einer Dreiviertelstunde immer noch keine Gastgeberin zu sehen war, versuchte ich sie mal telefonisch zu erreichen. Keine Chance. 20 Minuten später klingelt mein Handy. Ihr Wagen sei “broken” und sie musste kurz in die Werkstatt, sei in ein paar Minuten aber wieder da. Da wir scheinbar ziemlich verloren vor dem Tempel standen, kam ein Mönch auf uns zu mit zwei Flaschen Wasser in der Hand und der Einladung, den Tempel von innen zu begutachten. Auch hier waren wir wieder super überrascht von dieser Gastfreundschaft!

 

Kek Lok Tong

Nächster Halt sollte noch eine weiter Höhle sein. Allerdings kamen wir vorerst soweit gar nicht. Ihr Wagen überhitzte erneut und sämtliche Warnleuchten, die ein Auto haben kann, strahlten um die Wette. Also setzte sie uns kurzerhand in einem Kaffee ab und dort warteten wir.

Wieder eine Dreiviertelstunde später rief sie uns an, dass sie draußen warten würde. Dort fanden wir aber nicht nur sie, sondern auch ihren Schwager samt seinem Auto, den sie kurzerhand akquiriert hatte. Mit den beiden ging es dann zur Kek Lok Tong Höhle. Und irgendwie versteht man auch als Mensch, der an keine Religion glaubt, warum sich die Menschen in solche Höhlen einen Tempel für die entsprechenden Götter errichten. Zudem erzählte uns der Schwager, dass ihm ein befreundeter Geologe erklärt hätte, dass sich unter der Höhle (welche schon beeindruckend ist) eine weitere Kammer befinden müsse, welche doppelt so groß sei. Was die Ausmaße der Höhle noch einmal beeindruckender wirken ließ. Auf der anderen Seite der Höhle befindet sich ein riesiger Seerosenteich. Leider waren genau zu dem Zeitpunkt bereits alle Seerosen verblüht. Ansonsten muss dies ebenfalls sehr beeindruckend wirken.

Insgesamt war Ipoh eine wahrhaft interessante Erfahrung: Eine indische Hochzeit gecrasht, an einem Tempel ausgesetzt und dann von dem Schwager unserer Gastgeberin wieder aufgegabelt zu werden, damit wir uns weitere Sehenswürdigkeiten, die die Stadt zu bieten hat, angucken können. Irgendwie unglaublich!

Nach zwei Tagen Ipoh soll es für uns aber am nächsten Tag dann auch weiter gehen in die Cameron Highlands.

 

Falls du es noch nicht kennst, gibt es den Reisebericht hier auch als Video. Schau doch mal bei Youtube vorbei.

Und hier findest du übrigens unsere Reisetipps zu Malaysia.

 

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